Ari Gosch

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Projekt

Da sprach der Herr zum Knecht: „Mir geht es furchtbar schlecht!“ Da sagt der Knecht zum Herrn: „Das hört man aber gern.“


DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS





Allgemeine Ideen/ Gedanken:


Rahmen: Kabarett? oder: Lernen wie bei Stanislawski? oder: Kunstausstellung? oder: Orchesterprobe? +++ Aktuelle Parallelen dürfen/sollten gezogen werden. Wichtige Aussage: So hoffnungslos scheint Widerstand, aber ohne ist das Leben zumindest langweilig – wenn nicht sinnlos. Es ist immer noch besser denken zu können, daß eine positive Wirkung durch meine Aktivität/en hätte erreicht werden können, als es nie versucht zu haben und damit zu hadern, was eventuell verpasst wurde. Ersteres ist aktiver und damit bühnenwirksamer. +++





Personen: Coppi, Heilmann, Weiss, Herakles, Coppis Mutter, Weiss‘ Vater, Ayschmann





Die jeweilige Zusammenfassung ist nach Absätzen geordnet. Die Seitenangaben beziehen sich auf die zwei am weitesten verbreiteten Ausgaben:


1. Ffm. Suhrkamp 1998, 1. Auflage, durchgehend paginiert (schwarzes Buch)


2. Ffm. Suhrkamp 1986, 2. Auflage, nach Bänden paginiert (oranges Buch) (Zahlen nach Cohen, 1989)








ERSTER TEIL


Erstes Kapitel





Das Fries von Pergamon


9 - 19, 7 - 15:


(1937)(Berlin, Pergamonmuseum) Beschreibung des Pergamonaltars: deutet Kampf gegen Gallier in Kampf 'Adlige' gegen 'niederes Völkergemisch' um und ist Abbild des Klassenkampfes; Kunst dient Herrschenden als Übernatürliche darzustellen








1.) Aufzeichnung von Beobachtungen im Pergamon-Museum Berlin-Mitte


Bsp.(9/10): „Genuß vermittelte das Werk den Privilegierten, ein Abgetrenntsein unter strengem hierarchischem Gesetz ahnten die anderen. (...) Ein Fries voll namenloser Soldaten, die, Werkzeug der Oberen, in jahrelangen Kämpfen über andre Namenlose herfielen, hätte die Sicht auf die Dienenden verändert, ihre Stellung angehoben, nicht die Krieger, die Könige trugen den Sieg davon, und wer siegte, durfte den Göttern gleich sein, während die Unterlegnen die von den Göttern Verachteten waren. Die Begünstigten wußten, daß es keine Götter gab, denn sie, die sich deren Maske aufsetzten, kannten sich selbst.“


(Anm.: „Maske“ STIL- BZW. SPIELMITTEL?)

















2.) Beschreibung choreografisch inszenieren (improvisieren) mit Musik; Mischung Tableaus/Kurzszenen (auch Zeitlupe, -raffer)


INSZENIERUNGS-HINWEIS (11):


„Indem wir die Lanze unmittelbar vorm Wurf, die Keule vorm Niedersausen, den Anlauf vorm Sprung, das Ausholen vorm Aufeinanderprallen sahn, wurde unser Blick von Figur zu Figur, von einer Situation zur nächsten getrieben, und im ganzen Umkreis begann der Stein zu vibrieren.“











3.) Harter Bruch zu Hakenkreuz (11):


„... und immer, wenn ich im weißen runden Feld das Emblem auftauchen sah, rotierend und hackend, wurde es zur Giftspinne, schroff behaart, gestrichelt mit Bleistift, Tinte, Tusche, unter Coppis Hand, so wie ich es von der Schulklasse des Scharfenberger Instituts her kannte, als Coppi neben mir am Pult gesessen hatte, über kleinen Abbildern, Beilagen aus Zigarettenschachten, über ausgeschnittenen Zeitungsillustrationen, das Wahrzeichen der neuen Herrscher verunstaltend, die feisten Gesichter, die aus den Uniformkragen ragten, mit Warzen, Hauern, bösen Falten und rinnendem Blut versehend.“


(GASTSTAR: LOTHAR S.?)




















4.) SZENE (14): „Beschirmt und umfächelt von Dattelzweigen, die Augen vor der blendenden Sonne zusammengekniffen, nahmen sie die Bewegungen der Muskeln, die Beugungen und Streckungen der schwitzenden Leiber in sich auf. Die in Ketten herangetriebenen besiegten Krieger, die an Seilen über den Felswänden hingen, Brecheisen und Keile in die Schichten des bläulich weißen kristallinisch glitzernden Kalksteins schlugen und die riesigen Quadern auf Schlitten aus langen Hölzern die gewundenen Wege hinab beförderten, waren wegen ihrer Wildheit, ihrer rohen Sitten verrufen, und furchtsam gingen die Herren mit ihrem Gefolge abends an ihnen vorbei, wenn sie stinkend, besoffen von billigem Fusel, in einer Grube lagerten. Oben in den Gärten der Burg aber, (...) Indem die Ausgeplünderten ihre Energien in ausgeruhte und aufnahmebereite Gedanken übertrugen, entstand aus Herrschsucht und Erniedrigung Kunst.“



































5.) ALTERNATIVE (14, weiter oben): „Ihnen, den Unterworfenen, zur Hilfe müßte Herakles kommen, nicht denen, die an Panzern und Waffen genug hatten.“


(WIE WÜRDEN SIE ENTSCHEIDEN?/ SHOW?)



































Beispiel Herakles


19 - 32, 15 - 25:


(Berlin) Geschichte des Herakles; Herakles = Kämpfer für Unterdrückte; Konkurrenz zwischen Herakles und Eurytheus entspricht Kampf zwischen 'Arbeitern' und 'schöngeistiger Elite'; Herakles besiegt Götter/ Schicksal und gibt Unterdrückten damit Hoffnung





1.) FILM/DIAS/SYMBOL „UNTER DEN LINDEN“(15): „Heilmann, umterm Blattwerk der


Linden, zeigte zwischen den hoch in Sesseln mit Greifenfüßen thronenden, über aufgeschlagnen Büchern vor sich hinsinnenden Brüdern Humboldt hindurch, über den breiten Vorhof, auf die Universität, in der er, mir vorzeitig bestandnem Abitur rechnend, das Studium der Auslandswissenschaften betreiben wollte. Englisch, Französisch beherrschte er bereits, und am Abendgymnasium, wo wir ihn kennengelernt hatten (Anm.: SZENE?), war er auf der Suche gewesen nach Kontakten für den Unterricht der verpönten russischen Sprache.“


























2.) SZENE MIT GERÄUSCHEN/ DUNKELHEIT/ LICHT INDIREKT (16): „Nach dem


Auszug meiner Eltern hatte ich das Zimmer unsrer Wohnung in der Pflugstraße, in der Nähe des Wedding, an eine Familie vermietet, und schlief, wie ich es früher getan hatte, in der Küche, wo nachts das unaufhörlich heraufdringende Scheppern, Klirren und Fauchen aus dem Stettiner Bahnhof das Dröhnen an meinem Arbeitsplatz in Moabit ablöste.“














3.) EXKURSION ZU COPPI? (17): „... abbiegend zum Hackeschen Markt, bis zur


Rosenthaler Straße, Ecke Linienstraße, wo Familie Coppi im dritten Stock des zweiten Hinterhofs wohnte, ...“











4.) UTOPIE HEILMANN (UMSCHREIBEN WÖRTLICHE REDE?) (18): „Jede


Ängstlichkeit vor Autoritäten, jede Gefügigkeit, jedes blinde Befolgen der Arbeit, seien hier, sagte er, einem Aufatmen gewichen, die Verwirrung sei beendet, das gemeinsame Beste sei mit dem eignen Besten identisch, es bestände Freiwilligkeit und völliger Ausgleich, es gäbe keine Rangstufen mehr, keine verschlossnen Türen, hinter denen geheime Entscheidungen getroffen wurden, alles fände in der Öffentlichkeit statt, jederzeit Einblick und Kontrolle erlaubend. Hier, wo jeder Handgriff, jede Zusammenordnung, von den daran Beteiligten selbst bestimmt würde und das Hervorgebrachte ihnen gehörte, wo jeder sich nach eignen Bedürfnissen fortbilden könnte, müßten Selbstbewußtsein, Stolz und Vergnügen zum Merkmal werden.“

















5.) HERAKLES UND ALKMENE (19) Kleist-Exkurs?:


„Es sollte an diesem Tag ... der Verheißungsvolle ... dem Amphitryon ... geboren werden.“


(EIFERSUCHTSSZENEN MIT HERA? JUPITERS INTRIGEN?)




















6.) HERAKLES-SZENEN (in konkrete Aufgaben für Darsteller aufzulösen; und: Herakles braucht Unterstützung!) UNTER BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG HERAKLES‘ ALS REVOLUTIONÄR (Anm.: VGL.AUCH MIT ENTMYTHOLOGISIERTEM JESUS?) (20): „... erlangte beim Landvolk erste Berühmtheit, da er nicht nur den einfallenden Wölfen den Rachen zerriß, sondern auch dem für unbesiegbar erachteten Löwen, der seit Jahren in der Umgebung das Vieh fraß. Eurysteus, sein Vetter, rezitierte, mit weinerlicher Stimme, Gedichte, und spielte dazu, falsch, die Leier (Anm.: WAS FÜR EIN STIL: vgl.KLEIST: „Was machst Du hier? Durchschnüffler? Unverschämter? Du? Der Küchen?“), Herakles aber zog Linos (MIT SCHMUSEDECKE? , dem Lehrer, der seinen Schülern weismachen wollte, die einzige Freiheit, die es gäbe, sei die Freiheit der Kunst, den Hut so hart über die Augen (Anm.: „Der Mensch ist gar nicht gut/ drum hau ihn auf den Hut...“/Brecht), daß ihm das Nasenbein brach(...), steckte ... ihn kopfüber in die Jauchegrube und ertränkte ihn, zum Beweis, daß waffenlose Schöngeistigkeit einfachster Gewalt nicht standhalten kann (Anm.: BRECHT’SCHE TITEL VOR SZENEN MÖGLICH; Bsp.: „Waffenlose Schöngeistigkeit hält einfachster Gewalt nicht stand“) ... er zog die Lieder vor, die in den Gassen gesungen wurden (...) Beim Herumstreunen in den von den Musen verabscheuten Vorstädten lernte er die Not kennen, die in den Hütten und Kellern zu Hause war, und es waren immer die Knechte und Mägde, das geduckte Gesinde, die Taglöhner, die Kleinhändler, die hungerten und ausgesaugt wurden von den auferlegten Tributen, während es oben in den Burgen Überfluß gab an Fleisch, Gemüse und Früchten, wie auch die Weinfässer dort, und die Schatztruhen, stets gefüllt waren.“

































































6a.) Revolution! (20/21): „Er wollte es nicht glauben, daß der Terror, der seine Vaterstadt Theben in Bann hielt, dem mystischen Fürsten Erginos zuzuschreiben sei, den niemand je gesehen hatte, denn warum rülpste und kotzte Kreon, der König, und der gesamte Hofstaat, vor Übersättigung, warum trugen die Damen des Adels jeden Tag neue Kleider, wenn es über ihnen einen Gewaltherrscher gab, der unaufhörlich Abgaben verlangte.(...) Den Sklaven, die hustend in der Mulde saßen, die Lungen voll Steinstaub, brauchte er nicht viel zu erklären. Mit Marmorbrocken im Bart, mit Kieseln zwischen den Zähnen, bewaffnet mit ihren großen Sägen und Brecheisen, begleiteten sie ihn, und was an Wächtern vorhanden war, wurde weggefegt, Verwundrung kam nur auf bei der Frage, warum dies nicht schon früher geschehn sei.“














6b.) LIEBE MACHT BLÖD (VORHER ROMANTISCH-SCHÖN; ABER OHNE KITSCH!) (21): „Er merkte, betört von den Reizen der Megara, nicht einmal, daß seine Leibgarde ermordet und verscharrt worden war ... und als er zum ersten Mal wieder, in seidenem Gewand, durch die Tore hinausging in die Stadt, in der, wie er meinte, die Epoche des Wohlstands begonnen hatte, fand er nur Bettler und verwilderte Kinder, die Steine nach ihm warfen ...“


(Anm.: HIER VORSICHT GEBOTEN VOR SCHULDZUWEISUNG AN FRAU ...)


























6c.) WERBUNG! (21/22): „Auch die Hofautoren hatten dazugelernt und, im Dialekt der Gassen, Spottgedichte gemacht, deren Thema der Betrug des Herakles an den Armen, seine Großsprecherei, seine Aufgeblasenheit war, während Eurystheus, der Weise, der durch des höchsten Gottes Gnaden Eingesetzte, in vielen Versen gelobt wurde für seine väterliche Liebe zum Volk. Den Leuten, von denen es hieß, daß sie immer was brauchen, an das sie glauben (Anm.: NIKE, COKE etc. ...), das sie verehren können, wurden auf den öffentlichen Plätzen Paraden vorgeführt (Anm.: LANGES EINKAUFSWOCHENENDE, SILVESTER BRANDENBURGER TOR etc. ...), mit einer Augenweide von Kampfwagen, gefiederten Helmen, Standarten, und in hochgestimmten Reden wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß bald die letzten Verschwörer, die der Erneurung im Weg standen (Anm.: GEWERKSCHAFTEN ALS „REFORM“BLOCKIERER), beseitigt wären, und der Regent ließ die Müden und Ausgehungerten wissen, daß er sich um sie sorgte und mit ihnen litt (Anm.: „ICH HABE DIE GANZE NACHT NICHT GESCHLAFEN!“ ANGELIKA BEER VON DEN GRÜNEN NACH DEM BESCHLUSS, BELGRAD ZU BOMBARDIEREN) ...“





























Fehler (Spaltung) & Hoffnung


32 - 44, 25 - 35:


(Berlin, Eltern) Gegenüberstellung der Bedingungen für Linke in Weimarer Republik und im Nationalsozialismus; Kritik an Spaltung der Arbeiterbewegung (KPD vs. SPD und innerhalb von SPD und KPD) - begünstigt NS; Bildung als Mittel im Klassenkampf





1.) FEINDLICHKEIT DER LEBENSUMSTÄNDE(26/27): „Der Küchenraum ... hinter den


bröckelnden Mauern ... Lebenskraft zusprachen.“


(STIMMUNG DUNKEL ODER: EXTREM HELL)











1a.) Song „Die Solidarität“ (Brecht/Eisler)











2.) PARALLELE ZU UNSERER ZUKUNFT (bzw. Gegenwart am Arbeitsplatz) (29):


„Da ich selbst erst nach Beginn der faschistischen Herrschaft zu arbeiten begonnen hatte, waren die Voraussetzungen, die für die politische Tätigkeit unsrer Eltern bestanden, für mich ungültig geworden. Für sie hatte es auf den Arbeitsplätzen noch gemeinsame alltägliche Interessen gegeben, die sich über die Verschiedenheit der Parteizugehörigkeit und über ideologische Konflikte hin erstreckten.“ (Vgl. www.rbbpro.de)














3.) HOFFNUNG (30): Was wir über Spanien gehört hatten, über die revolutionäre Bewegung


in China, über die Unruhen und Aufstände in Südostasien, in Afrika, in Lateinamerika, oder über die Massenstreiks, den Zusammenschluß der Gewerkschaften und Arbeiterparteien in Frankreich, ließ uns vermuten, daß der Gedanke an den Sieg über die reaktionären Kräfte der Welt nicht so abwegig war, wie es sich in den schreierischen Phrasen (Anm.: „ZU DIESER POLITIK FÜR DIE KOMMENDEN GENERATIONEN GIBT ES KEINE ALTERNATIVE!“) von der Gleichschaltung in unserem Land darstellen wollte.“


- RAP AKTUALISIERT? –














3a.) HOFFNUNGSTRÄGER (30): „Desinteresse für soziale, politische, wissenschaftliche und ästhetische Fragen der Zeit, matte Untätigkeit, geistige Verarmung, nichtssagende Meinungen waren häufiger bei Philistern und auch bei Angehörigen des Bürgertums zu finden, als bei den Massen derer, die von den Kulturinstitutionen abgeschnitten und durch schwere und einförmige Arbeit zermürbt wurden.“


























4.) TEMPOS PASSADOS (33): „Der Zwiespalt zwischen Reform und Revolution war bei


uns ständiges Thema ...“




















5.) AUCH DAS IST MÖGLICH (34): „... sie standen, ob Sozialdemokraten oder


Kommunisten, außerhalb der Parteifehden und traten, während über ihre Köpfe hinweg die entscheidende Politik geführt wurde, ohne viel von sich reden zu machen, ideologisch immer das Gemeinsame anstatt das Trennende suchend, ...“


*SZENE ALTE LEUTE IM ZUG: FREUDENTRÄNEN BEI NACHRICHT VON VEREINIGUNG SPD/KPD


*CHOR??? „Solidaritätslied“ ohne Musik – wieder aufgegriffen (vgl.1a)?


(... öfter mal Textpassagen/Form wechseln:


.Griechischer kommentierender Chor


.Singend – gregorianisch, Bach, Beach Boys, Commedian Harmonists, Andrew Sisters ...


.Polyrhythmisch


.Mit Choreographie


usw.)
































6.) EXKURSION? (34): Coppis Kleingartenparzelle „Waldessaum“, Berlin-Tegel

















7. WEISS‘ BÜCHER (35): Original-Zitate daraus? Titel-Rap? Literatur-„Kanon“ (verarschend)?



































Das Fries – Voraussetzung des Entstehens


44 - 66, 35 - 53:


(Berlin, Eltern) Beschreibung der Gesellschaft in Pergamon; Debatte über die Verquickung von Wissen, Macht und Herrschaft; wie soll mit Kunst umgegangen werden, da sie doch oftmals nur auf der Basis von Ausbeutung möglich ist/war








0.) AKTUELL – NUR: WO IST DAS HEUTIGE PERGAMON? (36): „Beide, die Islamiten (Anm.: Schreibweise richtig!) und die Christen, vernichteten, was ihrer Religion widersprach, was für sie fremdartig war, einen Sinn für vergangne Kulturen hatte es nur im hochentwickelten Pergamon gegeben.“














1.) LERNEN! („Schwestern“-Song „Utschitza“?) (37): „Wir berieten nun, was Pergamon


vorgestellt haben mochte, wie es entstanden war, auf welche Weise es zerfiel und zu neuen Phasen überleitete, und bei jedem Satz war das Denkenlernen, das Sprechenlernen gegenwärtig, die Kluft zwischen der Erkenntnis und der Sprachlosigkeit, die überbrückt werden mußte.“














2.) (EINFLÜSTERUNG?) MYTHEN IN BILDERN/ TABLEAUS/ KURZFILMEN ETC.


(38): „Wer glaubte, daß die Erde eine vom Strom des Okeanos umgebne Scheibe war, über die des Nachts die Lampen der Götter gezogen wurden,


wer glaubte, daß Selene mit ihrem sich erhellenden und verdunkelnden Mondspiegel die Leichtigkeit und die Schwere kommender Ereignisse bestimmte


und daß Poseidon die Wellen an die Gestade blies und den Seefahrern Blitze aus den Wolken entgegenschleuderte,


der wagte sich allein nicht ins Weite, der hatte sich dem Schutz des Führenden und Bewaffneten anzuvertraun.“














3.) SZENEN AUS DEM – HEUTIGEN? - ARBEITSLEBEN (40): „Für den Unfreien gab es


immer nur das, was unmittelbar vor ihm war, und sein ganzes Mühn hatte sich zu verbrauchen, um damit fertig zu werden. Für den Freien gab es ständig die Spannung des Neuen, er zeichnete Küstenlinien und geographische Formationen auf, ermittelte Schiffahrtsrouten, Fundstellen von Rohstoffen, Austauschmöglichkeiten. Die zum Dienen Verurteilen welkten schnell dahin in ihrer Monotonie (Vgl. bittere Ironie: „Wir Menschen leben, als hätten wir 1 Million Jahre zu leben.“ – Unsere kleine Stadt/Thornton Wilder), er aber, für den es Initiative und Abwechslung gab, verjüngte sich.“




















4.) PROGRAMMATIK (41): Wollen wir uns der Kunst, der Literatur annehmen, so müssen


wir sie gegen den Strich behandeln, das heißt, wir müssen alle Vorrechte, die damit verbunden sind, ausschalten und unsre eignen Ansprüche in sie hineinlegen.“











5.) PERGAMON: „Dieses Reich des Geists war entstanden durch Gewalt, jeder Äußerung der Kunst, der Philosophie lag Gewalt zugrunde. Und je größer, je höher das Zustandegebrachte war, desto wütender war die Herrschaft der Brutalität gewesen. Nur wenige Jahrzehnte dauerte die Blütezeit des Pergamenischen Reichs an, und davor lagen mehr als hundert Jahre unablässiger Kriege. Dies war das Muster, das weitgehend noch den heutigen Staatsbildungen entsprach.“

















6.) HOCHAKTUELL (47): „ ... in Schrecken versetzt durch die Androhung, insgesamt in die


Sklaverei geworfen zu werden, wenn sie nicht alle Opfer für den Sieg Pergamons brachten, gaben die Städter ihre letzten Geldreserven, die Landbesitzer ihr Vieh und ihre Ernten her.“




















7.) SZENE „SCHLACHT IN KLEINER KÜCHE“ (48): „In der Stille, die dick um die


Wände hing, lauschten wir einige Augenblicke lang, denn gleich mußte das Rasseln der Rüstungen und Waffen zu hören sein, das dumpfe Vorspringen, das Klatschen des in Fleisch dringenden Eisens (Anm.: SOWAS VERDRÄNGEN WIR DOCH GERN, ODER?), und dann, während der Dauer einer Sekunde, tobten die Nahkämpfe in der Küche, die Helme und Schwerter blitzten auf unter der Lampe, hingemordet lagen die Frauen und Kinder der gallischen Krieger.“


(GEGENSÄTZE: klein, leise, dunkel – riesig, brüllend, gluthell)








8.) HOCHAKTUELL (49): „In der gesellschaftlichen Polarisierung siegten nicht die Kräfte,


die einen sozialen Fortschritt herbeiführen wollten, sondern der in Selbstzerstörung übergehende Konservatismus. Seit langem standen die römischen Kohorten bereit,auf den Marschbefehl ihrer Gesandten wartend, doch ehe sich noch ein günstiger Zeitpunkt zum Überfall ergab, wurden sie schon von Attalos dem Dritten, Sohn des Eumedes, rechtmäßiger Thronfolger, letzter des Geschlechts der Attaliden, ins Land gerufen zur Hilfe gegen seinen Halbbruder, denn lieber wollte er ihnen das Reich übergeben, als es unter eine Volksherrschaft geraten zu lassen.“























9.) GUTE FRAGE (51): „Coppis Mutter wollte wissen, ob denn die Kalkbrenner entschädigt


wurden, nachdem Humann, der im Auftrag der türkischen Regierung eine Straße durch das westliche Kleinasien baute, bei einem Ausflug zur Berghöhe die antiken Fragmente entdeckt und die Arbeiter von der Fundstelle verwiesen hatte. Sie mußten, sagte Heilmann (UMSCHREIBEN WÖRTLICHE REDE?), auf Befehl des Großwesirs Fuad Pascha, mit ihren Geräten nach Osten abwandern, in die Gebirge, aus denen sie, wie gesagt wurde, herstammten und die einst zu einem von keltischen Flüchtlingen besiedelten Land namens Galatien gehörten. Noch einmal vollzog sich die Vertreibung der bärtigen Urgestalten, die den Giganten (Anm.: AUF DEM FRIES) ihre Erscheinung verliehn hatten. Sie, die Lebendigen, gingen in Steppe, Wüste und Geröll unter, so daß der Stein aufwachen konnte.“


UND (52): „Und doch kann in dem, was grausam ist, nie Schönheit enthalten sein, sagte Coppis Mutter, ...“























10.) BESCHREIBUNG/ EINBRUCH GEGENWART – SZENE? (52/53): „... und den Hofschacht hinauf drangen Rufe, Fenster wurden zugeschlagen, Türen knallten, der Hauswart hatte, bei verordneter Abdunklung zur Luftschutzübung, einen Lichtschein entdeckt, im Treppenhaus war ein Getrampel, wir saßen still, hörten, wie zurückgehaltne Wut und Furcht, angestauter Überdruß, unterdrückte Raserei sich plötzlich Luft machten, in Zetern und Toben ausbrachen und ebenso schnell wieder versiegten. Jemand schlich draußen die Stufen hinunter, Phoibe, die glanzvoll strahlende, zielte mit der brennenden Fackel aufs Gesicht des zurückweichenden Giganten ... Zur Vernichtung verurteilt waren die Waffenlosen, die sich zusammenscharten hinter Barrikaden, von den Auserwählten, die sich imponierende Namen zugelegt und ringsum verbreitet hatten, daß sie unschlagbar waren, daß sie die höchste Weltordnung im Sinn trugen.“






























































Fortschrittliche Kunst?


66 - 89, 53 - 72:


(Berlin, Eltern) Studium als Form der Auflehnung; Debatte über den richtigen Begriff von Kunst, revolutionäre Kunst und das Verhältnis von Kunst und Politik; sozialistischer Realismus; Expressionismusdebatte wird nachvollzogen





1.) HOCHAKTUELL (53): „Zum Besitz gehörte der Geiz, und die Bevorteilten versuchten, den Unbemittelten den Weg zur Bildung so lange wie möglich zu verwehren.“


(SZENE: Streik-Studis als Verteidiger eigener Privilegien? Vgl. auch Demo Tiananmen-Platz 1989?)


WIR SELBST HEUTE? (53): „Immer wieder wurden wir zurückgeworfen, weil unser Vermögen des Denkens, des Kombinierens und Folgerns noch nicht genügend entwickelt war. Der Beginn einer Veränderung dieses Zustands lag in der Einsicht, daß sich die Hauptkraft der oberen Klassen gegen unseren Wissensdrang richtete."


























2.) PROGRAMMATISCH (54): „Unsre Auffassung einer Kultur stimmte nur selten überein


mit dem, was sich als riesiges Reservoir von Gütern, von aufgestauten Erfindungen und Erleuchtungen darstellte.“


























3.) VERMITTLUNGSPROBLEME/ HOCHAKTUELL (55): „Mit der Verwendung neuer Bennenungen, neuer Assoziationen weckten wir das Mißtrauen derer, die von der Vorherrschaft der bürgerlichen Ideologie so vergewaltigt worden waren, daß sie den Zugang zu intellektuellen Ebenen nicht einmal erwogen.“












































4.) „BILDUNGSAUFTRAG“ (DER MEDIEN; BEI KOMERZIELLEN UNINTERESSANT, BEI DEN ÖFFENTLICH-RECHTLICHEN ZUR ZEIT MASSIV INFRAGE GESTELLT) (55): „Vor Dreiunddreißig, als ich meinen Vater zuweilen während der Mittagspause im Betrieb besuchte (Anm.: SZENE? CHOREOGRAFISCH WIE ZATA ODER MARTHALER?), konnte es geschehen, daß grade der Vertreter eines Bildungsvereins einen Vortrag in der Kantine hielt oder Gedichte verlas, wobei die Unmöglichkeit deutlich wurde, auf diese Weise die Verbindung zu geistigen Regionen herzustellen. Da saßen die Arbeiter über ihren Blechbüchsen, ihren Thermosflaschen, ihren aus fettigem Papier gewickelten Stullen, halbtaub vom Geschmetter des Metalls und der Niethämmer, zwanzig Minuten standen ihnen zur Verfügung, und daß sie immer ihre Gesichter von dem Sprecher abwandten und tief über den Tisch beugten, war nicht nur der Eile zuzuschreiben, mit der sie essen mußten, sondern auch aus Verlegenheit, weil sie mit dem, was ihnen wohlmeinend angeboten wurde, nicht das Geringste anzufangen wußten. Wenn sie nachher Beifall klatschten, schon wieder auf dem Sprung in die Werkhallen, so taten sie es aus Höflichkeit, er, der Künstler, nahm etwas von ihnen entgegen, sie selbst aber gingen leer aus. Es hing damit zusammen, das verstand ich schon damals, daß uns von außen her, von oben her, nichts beeindrucken konnte, solange wir gefangengehalten wurden, jeder Versuch, uns einen Ausblick zu schenken, konnte nur peinlich sein, wir wollten keine Zuteilungen, kein uns zugemessnes Stückwerk, sondern das Ganze, und dieses Ganze sollte auch nichts Überliefertes sein, es mußte erst geschaffen werden.“
































5.) SZENE ABENDGYMNASIUM (59): „Mehr als die Hälfte der Teilnehmer fiel nach den


ersten Stunden ab. Die Stirnen schlugen aufs Pult, niedergehaun von zwölf Stunden, die um sieben Uhr abends aus Blei waren. Das Unterrichtwesen kalkulierte diese Gefallnen ein, die Überlebenden hielten sich mit den Fingern die Augen auf, starrten die verschwimmenden Tafeln an, kniffen sich in den Arm, kritzelten ihre Hefte voll, und während des letzten Lehrabschnitts fielen noch mehr ab, es genügte, eine Woche zu verlieren, durch Wohnungssuche, Arbeitssuche, durch einen Unfall oder einfach nur durch Entmutigung, und sie waren raus aus dem Pensum gerissen. Über Kunst sprechen zu wollen, ohne das Schlürfende zu hören, mit dem wir den einen Fuß vor den anderen schoben, wäre Vermessenheit gewesen. (Anm.: AB HIER GANZ BILDLICH?) Jeder Meter auf das Bild zu, das Buch, war ein Gefecht, wir krochen, schoben uns voran, unsre Lider blinzelten, manchmal brachen wir bei diesem Zwinkern in Gelächter aus, das uns vergessen ließ, wohin wir unterwegs waren.“





























6.) BILD MILLET „LANDARBEITERINNEN“ (62): „Die Revolutionen hatten, beim ersten


Anblick, nicht viel erreicht, und das Erlangte war durch die Gewalt der Bourgeoisie gleich wieder zertrümmert worden, die Kraftanstrengung, die Streckung, der Sprung aber war eine Leistung gewesen, die sich nicht mehr wegleugnen ließ ...“




















7.) RADIKALE KUNST? (66): „Unser gesamtes Studium, sagte Heilmann (Anm.:


WÖRTLICHE REDE?), erklären wir für nichtig, wenn wir uns wissentlich einer Künstlichkeit, einer Pose fürgen, wenn wir stehnbleiben dort, wo das Weiterkommen längst vorgezeichnet werde.“








7.1) „Er glaubte, sagte er, es komme daher, daß viele politische Aktivisten in ihrer Geschmacksbildung stehengeblieben seien zwischen Plagiaten und Surrogaten.“




















8.) DIDAKTIK (67): „In diesem Übergangszustand kam die Frage auf, was nun besser sei, das, was dem hochentwickelten Intellekt Nahrung gab, oder das, was dem Anfänger weiterhalf.“














9.) GRENZEN DER SOLIDARITÄT (70/71???): „Gerade weil ... andern Seite geblieben.“??
























































Freiheit für Kunst – Freiheit für Müll?


89 - 98, 72 - 79:


(Berlin) Weiterführung der Expressionismusdebatte - Erzähler versucht die Gegensätze dialektisch aufzulösen; Einigkeit über die Gleichung: diktatorische Kunst = Lüge, oppositionelle = Wahrheit








Dantes Göttliche Komödie/ Fresko Arezzo


98 - 109, 79 - 88:


(Berlin) über Dantes ''Göttliche Komödie"; Kunst muß sich auf heutigen Alltag beziehen lassen, 'lebendig' sein





"Das Zusammenklingen des Grauweiss, Grauschwarz und Umbra der Pferde, die rötlich violetten, grauen, grünen und blauen Tönungen der Kleidungsstücke, das Rot der Blutflecken, der Glanz der Schwerter, das transparent in den Kalkputz getupfte Gras und Gebüsch im weissen Ufersand, das geometrisch gefaltete Gemäuer der Stadt, das Grünblau des Himmels, das vom merkwürdig glatten unversehrten Boden aufgenommen wurde, dies alles war von einem Sehn, das jede Emotion vermied, in die monumentale Wirkungskraft von genau aufeinander ausgewognen Formen versetzt worden. ... Wir benötigten diese exklusiven, anspruchsvollen Leistungen der Kunst, der Literatur, zur Ergänzung dessen, was uns von der andren Seite, die keine Denkmäler besitzt, der Seite der Ärmlichkeit und Knappheit, bekannt war." http://www.kat.ch/bm/pw/asthetik.html#Peter


(Piero della Francesca: Auffindung und Prüfung des wahren Kreuzes, c. 1466 (Fresko, 356 x 747), Arezzo, San Francesco)











"Vermeer, Chardin behielten Reife, Schönheit nicht den Oberen vor, sondern liessen sie der Näherin, der Wäscherin, der Magd zukommen." http://www.kat.ch/bm/pw/asthetik.html#Peter


(Jan Vermeer: Die Milchmagd, 1658-60 (Öl / Lw., 45 x 41), Amsterdam, Rijksmuseum)








Kunst & (Alp-)Traum


109 - 118, 88 - 95:


(Berlin) Erzähler wartet auf Abreise nach Spanien; Anfang der Begegnung mit Vater, die als Traum beginnt und dann in realen Besuch übergeht; Traum vom Vater und Flug über Berlin bis zu einem KZ








Das Scheitern der deutschen Revolution


(Anm.: REVOLUTION NIE IM WINTER MACHEN!)


118 - 142, 95 - 114:


(Fort. Traum/ Besuch beim Vater) Erinnerung an Kindheit, Aufstände von 1919, Verrat durch SPD und Niederlage








Dialektik Vater-Sohn (These-Antithese)


142 - 157, 115 - 126:


(Fort. Traum/ Besuch beim Vater) Kritik an der KPD und KpdSU (Schauprozesse, Kronstadt, ...); Kritik an SPD; Kritik an Zerrissenheit der Arbeiterbewegung





Alltag vor und während dem Faschismus


157 - 168, 126 - 135:


(Fort. Traum/ Besuch beim Vater) Entwicklung der Arbeiterbewegung seit 1931; Aufkommen den NS; Arbeiter treten in NSDAP ein














Keine Einheitsfront


168 - 177, 135 - 143:


(Fort. Traum/ Besuch beim Vater) Kunst von/für Arbeiter muß international sein; Welt bildet eine Totalität, von der man soviel wie möglich wissen muß; wieso sind Arbeiter in NSDAP? (Erzähler und Eltern können sich diese Frage wg. ihres Klassenkampf-Denkens nicht


beantworten)











Gespaltener Widerstand


177 - 189, 143 - 152:


(Fort. Traum/ Besuch beim Vater) Linke, SPD, KPD unter dem Nationalsozialismus








Volksfront? Und: Wehner in Paris


189 - 209, 152 - 169:


(Ende Traum/ Besuch beim Vater) Vater berichtet von Treffen mit Wehner; Schauprozesse; Demontage von Münzenberg













































































Kafkas Schloß (Text: http://gutenberg.spiegel.de/kafka/schloss/Druckversion_schloss.htm)


209 - 223, 169 - 180:


(Warnsdorf) Vergleich von Kafkas "Das Schloß" mit Bildern von Brueghel - beide ergänzen sich gut; "Das Schloß" schildert Ohnmacht der Arbeiter gegenüber Kapital (=Schloß)





224 - 235, 180 - 189:


(Warnsdorf) Gegenüberstellung von Kafka und Neukrantz ("Barrikaden im Wedding") - beide erzählen dieselbe Geschichte und ergänzen sich deshalb; sie wählen nur unterschiedliche Mittel: Kafka schreibt komplexe Literatur und sieht keinen richtigen Ausweg aus Ohnmacht - Neukrantz beschreibt die harte Realität und weist Weg aus Hilflosigkeit; was ist das 'Wahre' in der Kunst? das, was der Klasse dient oder das Eigene?; am Ende: Schilderung der Ermordung eines Juden





Zweites Kapitel





(Spanien)





239 - 250, 193 - 201:


(In der Neuausgabe fehlt das Ende des Absatzes - es müßte auf S. 250, Zeile 6, nach 'Guardia Civil' sein.)


Ankunft in Spanien; Besuch von Gaudis "Sagrada Familla" (Barcelona) - Erzähler versteht diese Architektur nicht ist aber stark beeindruckt





250 - 262, 202 - 212:


Erste Eindrücke: Massenversammlungen, Euphorie; Zweifel an kommunistischer Propagandakunst, da diese letztlich auch auf traditionelle Herrschaftsmittel zurückgreift; Zwiespältigkeit als Leitmotiv Spaniens





263 - 273, 212 - 220:


Erzähler nimmt Arbeit bei Hodann in einem Krankenhaus auf; Enttäuschung darüber, daß er an der 'kulturellen Front' arbeiten soll, die er nun doch als 'weniger wichtig' ansieht, anstelle eines Einsatz an der politischen oder militärischen Front





273 - 283, 220 - 228:


Hodann will Verletzte/ Kranke in kulturelle/ politische Arbeit einbinden und ihrer Zeit im Sanatorium so einen Sinn geben - Anleitung zum gegenseitigen Lernen, vor allem: Austausch der Erfahrungen mit Bürgerkrieg und internen Streitereien (dieser Austausch wird aber durch Angst vor Anzeigen durch politischen Kommissar behindert); Nachrichtenagentur soll aufgebaut werden; Hodanns Aktivitäten sind dem zuständigen politischen Kommissar suspekt; Insassen versammeln sich - Debatte über 'Sozialismus vs. Anarchismus in Spanien'





283 - 303, 228 - 244:


(fort. der Versammlung) Geschichte Spaniens ab 19. Jhrd. bis heute aus Sicht eines Sozialisten (Gomez); Sozialismus vs. Anarchismus





303 - 311, 244 - 251:


(Ende der Versammlung) Kritik an Kommunisten, Dogmatismus, und Entmündigung durch KP und UdSSR





312 - 320, 252 - 259:


Feier der Oktoberrevolution; Beschreibung des Sanatoriumsalltags (Lernen)





321 - 331, 259 - 267:


Treffen mit KP-Funktionären, die ebenfalls Künstler/ Literaten sind; Hodann kritisiert Sexismus im Proletariat und Ausschaltung der 'Frauenfrage' in Spanien - wg. Kritik an Arbeitern wird Hodann von Funktionären gerügt; Debatte um Funktion der Kunst - soll sie sich Politik unterordnen oder nicht?





331 - 338, 267 - 273:


Hodann und Erzähler werden in ein anderes Krankenhaus verlegt - vorher: Anwesenheit bei Feier in Bauernfamilie, die Erzähler stark beeindruckt und an Zuhause erinnert





339 - 349, 273 - 282:


Beschreibung des neuen Krankenhauses; Treffen mit Lindbaeck, die Buch über Spanien schreiben will - wie kann man komplexe Geschichte in ein Buch pressen?; müssen Schriftsteller ihren Zweifel verschweigen, um Kampf Position der Partei nicht zu gefährden?; das 'Wahre' in der Kunst: das 'Wissenschaftliche' oder das, was der Sache dient?





349 - 357, 282 - 288:


(1938) Wieso helfen Arbeiter aus anderen Ländern Spanien nicht, wo doch hier auch für ihre Rechte gekämpft wird?; Regierungskrise, Niederlage droht; Lage in Europa spitzt sich zu





357 - 377, 288 - 305:


Entsetzen über Schauprozeß gegen Bucharin, der avantgardistische und emanzipatorische/ kritische Kunst gefördert hat; kaum Erklärungen für Schauprozesse - Macauer interpretiert diese als männlichen Machtkampf, bei dem sich Stalin durchgesetzt hat; welche Prioritäten würde Erzähler setzen: Partei oder Freunde?; 'Anschluß Österreichs'; Deformation der deutschen Sprache durch NS - Exilanten wird eigene Sprache fremd - Sprache der Revolution vs. Sprache des Todes





378 - 389, 305 - 314:


Macauer wird wg. Kritik an KP verhaftet; Erzähler plant, Erfahrungen künstlerisch festzuhalten, weiß aber nicht, wie; Lage in Europa wird immer dramatischer; Auflösung der Krankenstation; 'wir' kämpfen für alle, Feinde (Nationalisten, Nazis) kämpfen, weil sie dumm sind





389 - 396, 314 - 320:


Brief von Heilmann über Herakles: Herakles ist kein Arbeiterheld, sondern Unterdrücker und Eroberer, der Kolonialismus begründet hat; außerdem ist er ein Frauenfeind und wird von Alpträumen und Wahnvorstellungen geplagt (die "12 Arbeiten" sind Ausdruck psychischer Krankheit)





396 - 409, 320 - 330:


Demobilisierung der Internationalen Brigaden; Empörung darüber; Hilflosigkeit bei Kämpfern; Gespräch über Geschichte des Mittelmeerraumes seit Antike; griechische Zivilisation konnte nur auf den Schultern von Sklaven errichtet werden; Glaube dient nur zur Ablenkung von Herrschaft





409 - 429, 330 - 346:


Treffen mit Ayschmann in Valencia; über Picassos 'Guernica'; für Picasso sind Kunst und Politik untrennbar; Debatte über mögliche Differenz zwischen autodidaktischen Arbeitern und Studierten; über Delacroix' 'Barrikaden', Gericaults 'Floß der Medusa' und Goyas 'Erschießung der Aufständischen'





"Nach einer Weile nahm die Komposition, mit ihrer zentralen Figurenpyramide, ihren seitwärts aufragenden Gestalten, Gegenständlichkeit an. Ohne die Erscheinung noch ganz zu begreifen, sahn wir, was in Spanien geschah. Gehämmert zu einer Sprache von wenigen Zeichen, enthielt das Bild Zerschmettrung und Erneurung, Verzweiflung und Hoffnung."


http://www.kat.ch/bm/pw/asthetik.html#Peter


(Pablo Picasso: Guernica, 1937 (Öl / Lw., 349 x 776), Madrid, Prado)











"In ihrer fleischigen Fülle, die Faust um die scharf gezeichnete Schusswaffe geballt, den schweren Schenkel vorgestemmt, zeigte sie das Stadium an, in dem die Idee zur materiellen Gewalt wird. In der Dreieinigkeit des Proletariats schlossen sich ihr Arbeiter, Intellektueller und Jugendlicher an.“ http://www.kat.ch/bm/pw/asthetik.html#Peter


(Eugène Delacroix: Die Freiheit auf den Barrikaden (Die Freiheit führt das Volk an), 1830 (Öl / Lw., 259 x 325), Paris, Louvre)











"Géricaults Bild jedoch war ein gefährlicher Angriff gewesen auf die etablierte Gesellschaft. Mit seinem gewaltigen Format schon, sieben zu fünf Metern, drohte es, alle übrigen Werke im Salon zu erschlagen, unerträglich aber war den Honoriatoren das Thema, das die Korruption der Beamtenschaft, den Zynismus, die Selbstsucht der Regierung entblösste. ... Aus der vereinzelten Katastrophe war das Sinnbild eines Lebenszustands geworden. Voller Verachtung den Angepassten den Rücken zukehrend, stellten die auf dem Floss Treibenden Versprengte dar einer ausgelieferten Generation, die von ihrer Jugend her noch den Sturz der Bastille kannte. Sie lehnten und hingen aneinander, alles Widerstreitende, das sie auf dem Schiff zusammengeführt haben mochte, war vergangen, vergessen war das Ringen, der Hunger, der Durst, das Sterben auf hoher See, zwischen ihnen war eine Einheit entstanden, gestützt von der Hand eines jeden, gemeinsam würden sie jetzt untergehn oder gemeinsam überleben, und dass der Winkende, der Stärkste von ihnen, ein Afrikaner war, vielleicht zum Verkauf als Sklave auf die Medusa verladen, liess den Gedanken aufkommen an die Befreiung aller Unterdrückten." http://www.kat.ch/bm/pw/asthetik.html#Peter


(Théodore Géricault: Das Floss der Medusa, 1818/19 (Öl / Lw., 491 x 716), Paris, Louvre)





"Vermutlich gab es neben den noch zuckenden, blutüberströmten Leibern nicht den geringsten Gedanken an Zorn, Stolz und Sieg, nur an Würgen, Frieren und unsägliche Angst, und von einer Zukunft war keine Spur vorhanden, beim Krachen der Schüsse war alles längst in furchtbarer Unwirklichkeit vergangen. Was sollten wir anfangen mit diesen Zeichen der Einmaligkeit, was half uns das vollendet komponierte Massaker, wenn alles um uns ungelöst blieb." http://www.kat.ch/bm/pw/asthetik.html#Peter


(Francisco Goya y Lucientes: Die Erschiessung der Aufständischen am 3. Mai 1808 in Madrid, 1814 (Öl / Lw., 266 x 345) Madrid, Prado)





429 - 447, 346 - 361:


Wie kann Künstler etwas anderen vermitteln?; subjektive Assoziation vs. objektive


Darstellung; Einordnung der zentralen Werke in Leben von Delacroix, Géricault, Goya und Picasso; wie wird Arbeit in Kunst dargestellt? Bsp.: Menzels 'Eisenwalzwerk' (ist affirmativ) Koehlers 'Der Streik' (ist angemessen rebellisch) und Munchs 'Arbeiter auf dem Weg'





"Bisher hatte er [der Opportunist Delacroix] seine ausschweifenden Phantasien in Höllenfahrten und Gemetzel versetzt, das grausame Niederschlagen des griechischen Freiheitskampfs war ihm noch nah, nun versuchte er, diesem Julitag, in dessen Toben er geraten war, Gestalt zu geben." http://www.kat.ch/bm/pw/asthetik.html#Peter


(Eugène Delacroix: Die Dantebarke (Dante und Vergil in der Hölle), 1822 (Öl / Lw., 189 x 241), Paris, Louvre)





"Es handelte sich nicht um die Arbeit, so wie mein Vater von ihr sprach, um die Arbeit als Vorgang der Selbstverwirklichung, sondern um Arbeit geleistet zu niedrigstem Preis und zu höchstem Profit des Arbeitkäufers. Da nur die Arbeitenden zu sehn waren, mit ihrem ganzen Dasein den Tätigkeiten hingegeben, wurde der Eindruck erweckt, dass sie das Werk beherrschten (...), sie existierten aber einzig in ihrer Bindung an die Maschinen und Geräte, die das Eigentum andrer sind." http://www.kat.ch/bm/pw/asthetik.html#Peter


(Adolph von Menzel: Das Eisenwalzwerk, 1875 (Öl / Lw.,153 x 253), Berlin, Alte Nationalgalerie)




















"Der Maler war keiner Utopie verfallen, er stand eindeutig auf der Seite der Arbeitenden, er kannte deren Lebensbedingungen, er hatte seine Gestalten studiert, so wie auch Menzel sie studiert hatte, doch im Gegensatz zu dem preussischen Hofmaler hatte er die Arbeiter, in ihrer schweren Körperlichkeit, nicht im Bann der Warenerzeugung, sondern in ihrem Selbstbewusstsein gezeigt." http://www.kat.ch/bm/pw/asthetik.html#Peter


(Robert Koehler: Der Streik, 1886 (Öl / Lw., 181,5 x 275,6), Berlin, Deutsches Historisches Museum)




















Zweiter Band


Erstes Kapitel





453 - 461, 7 - 13:


(Paris) über Geschichte des Schiffsbuchs der Medusa und Leben und Herangehensweise von Gericault





461 - 471, 13 - 21:


(Paris) fort. der Erläuterungen zum Medusa-Bild und seiner Geschichte und Entstehung; Spaziergang durch Paris; Pariser Architektur; Vergleich der Architektur von Louvre und (Alter) Nationalgalerie (Berlin)





471 - 486, 21 - 33:


(Paris) sieht Medusa-Bild im Louvre; über Gericault (in sich gebrochene Persönlichkeit - Analogie zu gegenwärtiger politischer Lage); hinter dem NS steht Industrie/ Kapital - wieso gibt es dann aber keinen proletarischen Widerstand gegen NS?; Treffen mit Katz (Komintern-Gesandter) - Interesse an Géricault verbindet beide; Vergleich von Medusa-bild mit Arche-Bild von Poussin





486 - 499, 33 - 44:


(Paris) Europa bereitet sich auf Weltkrieg vor; Spaziergang mit Katz durch Montmartre - Gespräch über Geschichte des Viertels; Louvre-Besuch: sieht Triptychon über Hl. Georg von Martorelli und ist stärker beeindruckt als vom Medusa-Bild; Bedrohung der Tschechoslowakei - Europa hilft nicht





500 - 512, 44 - 54:


(Paris) der 'Fall Münzenberg'; interne Konflikte in KP-Führung; Münzenbergs Jugend





512 - 527, 54 - 65:


(Paris) Erzähler und Hodann treffen Münzenberg: erzählt sein Leben und seine Vorstellungen; kulturelle und politische Revolution gehören zusammen, nur ignorieren sich beide Seiten, obwohl sie in Zürcher Spiegelgasse Tür an Tür leben





527 - 542, 65 - 77: (Paris) über Bücher von Sue, die Marx/Engels verachten, Erzähler aber gut heißt; Polarisation in Arbeiterbewegung/ KP läuft analog zum Konflikt Katz - Münzenberg; über Meryons Gemälde des Hauses von Marat; KP will Zerfall der Bewegung durch Dogmatismus verhindern; Arbeiter unterstellen sich der Gewaltherrschaft, weil sie vom Geld verblendet sind





542 - 552, 77 - 85:


(Stockholm) über das Leben von Bischoff (geflüchtete Kommunistin, die in Schweden entarnt wurde und jetzt nach Deutschland abgeschoben werden soll) - schwedische Polizei hat Kontakte zu Gestapo; Beschreibung Stockholms





553 - 565, 86 - 95:


(Stockholm) Schweden will nicht Zufluchtsort für europäische Flüchtlinge werden - läßt nur 'erwünschte' herien, nicht aber geflohene Kommunisten oder Juden; Erzähler erhält Arbeit in Separator-Werken, darf sich nicht politisch betätigen und muß 'unauffällig' leben; Abschiebung zweier jüdischer Familien





565 - 570, 95 - 99:


(Stockholm) Selin (Arbeitskollege) vermittelt Kontakt zu Rogeby (den Erzähler aus Spanien kennt); Rogeby erzählt sein Leben - er ist auch stark an Kunst interessiert





570 - 577, 100 - 105:


(Stockholm) Erzähler, Selin und Rogeby debattieren über Verhalten von Exil-SPD und -KPD; unter schwedischen Arbeitern und Bauern herrscht großer Antiintellektualismus, der von Herrschenden provoziert ist (Wissen wird mit Herrschaft und Gewalt gleichgesetzt); dieses Denken muß bekämpft werden





578 - 586, 105 - 112:


(Stockholm) Beschreibung der Seperator-Werke; Hilflosigkeit gegenüber Niederlagen in Europa; schwedische Arbeiter wollen Politik der kleinen Schritte - deutsche denken radikaler (was aber zu Unglück geführt hat); Bischoff soll begnadigt werden





586 - 595, 112 - 119:


(1939)(Stockholm) Überfall auf Prag - Erzähler will Eltern aus Tschechoslowakei retten, kann sie aber nicht ausfindig machen; europäische Regierungen ignorieren Deutschland; wieso regt sich kein Widerstand - Menschen können Dimensionen des NS nicht begreifen/ denken





596 - 602, 119 - 124:


(Stockholm) Géricaults Medusa-Studien (Enthauptete); Gericaults Drang zum Tod kommt durch seine Drang zur Wahrheit; Pariser Stiche von Meryon (sind Kontrapunkt zur Pariser Zivilisation)





602 - 610, 124 - 131:


(Stockholm) Treffen mit Hodann; Attacken gegen Münzenberg werden massiver, sein Leben wird verfälscht; Münzenberg glaubt nicht an Aufstand der proletarischen Massen gegen NS - es muß Gegenpropaganda-Apparat errichtet werden, der es mit Goebbels aufnehmen kann; Münzenbergs Ermordung droht





610 - 619, 131 - 138:


(Stockholm) trifft Tochter von Karl von Ossietzky - Rosalinde; sie berichtet von ihrem Leben; Anfang von Liebesbeziehung mit ihr?





620 - 627, 138 - 144:


(Stockholm) europäische Regierungen wollen antifaschistische Allianz aufbauen; Maler und Landstreicher Tombrock vermittelt konspiratives Treffen mit Brecht; Rosalinde und Bischoff werden von Tombrock als Verkäuferinnen seiner Bilder eingespannt - und bei Mißerfolg mißhandelt








19.4.04 05:33

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